

Musiktherapie ist stets in gesellschaftliche Kontexte eingebunden. Gesellschaften wiederum sind gekennzeichnet durch soziale Ungleichheit, ebenso wie durch das Bemühen vieler um mehr soziale Gerechtigkeit. In der Tagung wird thematisiert, wie Themen sozialer Ungleichheit in die musiktherapeutische Praxis hineinspielen und welche Umgänge damit gefunden werden können. Es soll ein Raum geschaffen werden, in dem eigene Haltungen und Einstellungen reflektiert werden können, anhand praktischer Beispiele der Umgang mit Diskriminierung und Ausschlüssen diskutiert werden kann und die Einbettung der Musiktherapie in ein System globaler Ungleichheit thematisiert werden kann.
Themenschwerpunkt 1: Diskriminierung und Privilegien in der Musiktherapie
Der erste Block widmet sich dem Weg zu Diskrimierungssensibilität und Privilegienbewusstsein in der Musiktherapie. Wir werden uns ansehen, welche Ressourcen und Hindernisse es auf diesem Weg geben kann und warum es überhaupt wichtig ist, diesen Weg einzuschlagen. Gemeinsam werden wir ausloten, wie unsere Privilegien die Haltung gegenüber anderen Personen beeinflussen, und wie wir darauf reagieren können, wenn wir auf eigenes diskriminierendes Verhalten hingewiesen werden.
Themenschwerpunkt 2: Musiktherapie dekolonialisieren
Der zweite Block setzt sich kritisch mit (Post-)Kolonialismus und andauernden globalen Machtverhältnissen auseinander. Dabei werden unter anderem die Haltung zu den in der Musiktherapie verwendeten Instrumenten und die Abgrenzung westlicher/eurozentrischer Musiktherapie von traditionellen/indigenen Praktiken von Musik zur Heilung aus einer dekolonialen Perspektive betrachtet. Außerdem werden Auswirkungen des Kolonialismus auf die musiktherapeutische Arbeit herausgearbeitet.
Themenschwerpunkt 3: TIN* Personen in der Musiktherapie
Im dritten Block wird es um TIN* Personen (trans*, inter* & nicht-binär) in der Musiktherapie gehen. Es wird ein kurzer Überblick zu gesellschaftlichen Einflüssen auf die Gesundheit von TIN* Personen und ihren Herausforderungen im österreichischen Gesundheitswesen gegeben. Die Auseinandersetzung mit internalisierter Transfeindlichkeit wird angeregt und thematisiert, was in der Musiktherapie beigetragen werden kann, um diese weniger zu reproduzieren. Die vorläufigen Ergebnisse eines Forschungsprojekts werden interaktiv vorgestellt.
Methodik
In allen drei Blöcken werden erst die Grundlagen der genannten Konzepte erläutert, um dann in die Selbstreflexion und den Austausch über Implikationen für die musiktherapeutische Praxis zu gehen. Umrahmt werden diese Themenschwerpunkte zu Beginn mit einer Vorstellung des Arbeitskreises, als Abschluss werden die verbindenden Elemente der thematisierten Bereiche sozialer Ungleichheit herausgearbeitet und gemeinsam diskutiert.
Vortragende
Flo Schinnerl ist Workshopleitende*r, Künstler*in und studiert Musiktherapie in Wien. Flo setzt sich sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch mit Gender, gesellschaftlichen Machtdynamiken, Beziehungen und Sexualität auseinander und arbeitet als Jugendsexualpädagog*in bei der Aids-Hilfe Wien. Flo hat Cross-Disciplinary Strategies an der Universität für Angewandte Kunst studiert und in deren Bachelorarbeit Workshops zum Thema Männlichkeit und Feminismus konzipiert und durchgeführt. Im Musiktherapie-Bachelor schreibt Flo aktuell deren Bachelorarbeit über Privilegienbewusstsein und Musiktherapie
Kathrin Baumeister ist Studierende im Musiktherapie-Master in Wien. In ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Jugendsexualpädagogin beim Verein achtung*liebe setzt sie sich mit Diskriminierung auseinander. Therapie aus einer dekolonialen Perspektive zu diskutieren ist das Thema eines Lesekreises in dem sie sich seit einiger Zeit mit anderen Therapeut*innen in Ausbildung austauscht.
Sofie Himmelbauer ist Student*in des Masterstudiums Musiktherapie in Wien. Nebenbei ist Sofie bereits als Musiktherapeut*in in den Bereichen Erwachsenenpsychiatrie (Sucht) und Erwachsenenpsychosomatik (DBT) tätig. Mit Geschlecht in der Musiktherapie hat sich Sofie bereits während eines Musikwissenschaftsstudiums beschäftigt. Mit TIN* Personen in der Musiktherapie setzt sich Sofie in einem Studienschwerpunkt auseinander. Derzeit führt Sofie ein Forschungsprojekt zu Empowerment von TIN* Personen mit Musiktherapie durch.
Organisationsteam: Eron Adolf, Julia Fent, Ute Glentzer, Steff Hörmanseder und Jo Russ (thematische Rahmung); Kathrin Baumeister, Sofie Himmelbauer und Flo Schinnerl (Themenschwerpunkte)
Art der Veranstaltung: Hybrid (Präsenz- und Online)
Umfang& Dauer: insgesamt 9 Einheiten à 45 Minuten
Uhrzeiten: 09:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Wohnprojekt Lisa: Multifunktionsraum; Maria Tusch Straße 8, 1220 Wien
Kosten: 110 € | ÖBM-Mitglieder 90€ | außerordentliche ÖBM Mitglieder, Studierende& Senior:innen 30 € | Ordentliche Mitglieder der DMtG/des SMFT 90 €
Für die Teilnahme werden bei Erfüllung der Kriterien Teilnahmebestätigungen gem §28 MuthG durch den ÖBM ausgestellt.
Anmeldeschluss: 09.05.2026 (Präsenz); 06.06.2026 (Online-Teilnahme).
Achtung: Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie an der Veranstaltung in Präsenz oder Online teilnehmen möchten!

ÖBM - Österreichischer Berufsverband für Musiktherapie
Vierthalergasse 10/4, 1120 Wien
T: +43 (0) 699 10 654 741 (Do und Fr 9:00 - 11:00)
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UID Nr.: ATU70980003