

Fortbildungsbeschreibung
Bindungsbasierte Musiktherapie mit Familien
Musiktherapeutisches Arbeiten mit Familien ist spannend, komplex und herausfordernd. Mit mehreren Familienmitgliedern gemeinsam in einem Setting zu arbeiten, erfordert besondere Flexibilität und Reflexionsfähigkeit sowie ausreichend Auseinandersetzung mit speziellen Erfordernissen dieser Arbeitsweise. Die Erkenntnisse der modernen Bindungsforschung bieten gerade für die Arbeit mit Familien hilfreiche zusätzliche Perspektiven und wertvolle Impulse.
Ausgehend von langjähriger fachlicher Auseinandersetzung mit bindungsbasierten therapeutischen Methoden und eigenen Erfahrungen im Einsatz von MusikSpielTherapie (Stumptner & Thomsen, DE) und Marte Meo (Maria Aarts, NL) in der musiktherapeutischen Arbeit im triadischen Familiensetting, stellen wir in dieser fünfteiligen Seminarreihe Grundlagen und Methoden für die Arbeit mit Familien vor, die sich gut in die musiktherapeutische Praxis integrieren lassen.
Die Weiterbildung besteht aus fünf Modulen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunktsetzungen. Eine immer wieder bewusst gewählte längere Zeitspanne zwischen den einzelnen Wochenenden bietet die Möglichkeit, Anregungen und Impulse zu reflektieren und in der eigenen praktischen Tätigkeit anzuwenden.
Bindungsbasierte Musiktherapie: Wir beschäftigen uns mit den Grundlagen der bindungsbasierten therapeutischen Haltung im musiktherapeutischen Kontext. Eine Auseinandersetzung mit der Bindungstheorie hilft in der Arbeit mit Familien, zusätzliche Perspektiven auf das aktuelle Beziehungsgeschehen zu entwickeln und einen besonderen Fokus auf gelingende Momente in der Interaktion zu legen. Ergänzt wird dies durch eine Reflexion eigener Familienbegriffe und -erfahrungen. Dazwischen laden wir immer wieder dazu ein, verschiedene musiktherapeutische Spielangebote kennenzulernen, die sich in der bindungsbasierten Arbeit mit Familien bewährt haben.
Altersbereich: Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Weiterbildung liegt auf der bindungsbasierten musiktherapeutischen Arbeit im triadischen Familiensetting mit Kindern im Alter bzw. Entwicklungsalter von 0 bis etwa fünf Jahren. In dieser frühen Entwicklungsphase eröffnet das gemeinsame musiktherapeutische Arbeiten mit Kind und Bezugsperson besondere Möglichkeiten, Beziehungsgestaltung, Feinfühligkeit und Co-Regulation gezielt zu unterstützen. Gleichzeitig sind viele der vermittelten therapeutischen Haltungen, Methoden und Reflexionsansätze auch auf die Arbeit mit älteren Kindern sowie auf andere Settingformen gut übertragbar. Die differenzierte Einschätzung von Indikationen und Grenzen der Arbeit im Familiensetting wird praxisnah vermittelt und ist ein Bestandteil der Weiterbildung.
Arbeiten im triadischen Setting (Kind-Bezugsperson-Therapeut:in): Mit einem Kind und einer Bezugsperson gemeinsam im musiktherapeutischen Setting zu arbeiten, erfordert besondere Rahmenbedingungen und Herangehensweisen. Spezielle Eigenheiten und auch typische Fallstricke der triadischen Arbeit mit Familien werden beleuchtet. Gemeinsam setzen wir uns mit konkreten Spielangeboten und Interventionen, sowie mit unserer Rolle im Geschehen und hilfreichen Reflexionsstrategien auseinander.
Ressourcenorientierte Reflexion im Elterngespräch: Die Arbeit mit den Bezugspersonen hat in diesem Setting einen besonderen Stellenwert. In begleitenden Reflexionsgesprächen wird das im (musikalischen) Spiel zu dritt Erlebte mit den Bezugspersonen aufgearbeitet. Dabei liegt der Fokus auf gelungenen Momenten sowie beobachtbaren Fähigkeiten und Kompetenzen, um die Ressourcen der begleiteten Familie sichtbar zu machen. Das Wechselspiel zwischen dem Angebot eines geschützten musiktherapeutischen Spielraumes und dem Herausarbeiten gelungener Interaktionen im Gespräch auf der Erwachsenenebene ist ein Kernstück im triadischen bindungsbasierten musiktherapeutischen Setting.
Methodik
Die Weiterbildung ist methodisch abwechslungsreich und praxisnah konzipiert. Fachliche Inhalte werden durch Vorträge der Dozentinnen vermittelt und anhand von Videosequenzen aus der therapeutischen Praxis veranschaulicht. In der Weiterbildungsgruppe werden die Themen gemeinsam vertieft, reflektiert und in Bezug zur eigenen beruflichen Praxis gesetzt. In selbsterfahrungsorientierten Übungen erleben die Teilnehmenden musiktherapeutische Situationen im triadischen Setting aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Gruppe fungiert dabei als geschützter Resonanz- und Lernraum.
Qualifikationsziel
Ziel der Weiterbildung ist es, fachliche und persönliche Handlungskompetenzen für die musiktherapeutische Arbeit mit Familien im bindungsbasierten triadischen Setting zu erwerben. Die Teilnehmenden vertiefen ihr Verständnis bindungstheoretischer Grundlagen und deren Bedeutung für das Beziehungsgeschehen in Familien. Sie entwickeln Sicherheit in der Gestaltung angemessener Rahmenbedingungen, im Einsatz geeigneter musiktherapeutischer Spielangebote sowie in der reflektierten Rollenübernahme als Therapeut:in. Darüber hinaus erwerben sie Kompetenzen in der ressourcenorientierten Reflexion im Elterngespräch und in der differenzierten Einschätzung von Indikationen und Grenzen der Arbeit im Familiensetting. Die Weiterbildung fördert eine reflektierte therapeutische Haltung und die Integration der Inhalte in die eigene berufliche Praxis.
Referent:innen
Eva Phan Quoc Musiktherapeutin in freier Praxis (Schwerpunkt Familien mit Kleinkindern), musiktherapeutische Supervision. Forschung und Lehre an der mdw ‒ Universität für Musik u. darstellende Kunst Wien, Koordinatorin des internationalen Netzwerkes „Music Therapy with Families Hub“, EMTC-Delegierte für Österreich. Zusatzqualifikationen: EBQ, APCI, MusikSpielTherapie, SAFE-Mentorin, Bindungsbasierte Beratung und Therapie (Brisch, München). Forschungsschwerpunkte: Musiktherapie im Familiensetting, Bindungsbasierte MusikSpielTherapie.
Kontakt: phan-quoc@mdw.ac.at
Sibylle Neubacher-Kefer Musiktherapeutin im Zentrum für Entwicklungsförderung Wien, musiktherapeutische Supervision. Frühere Tätigkeit im Therapie- und Diagnosezentrum „Bienenhaus“, SOS-Kinderdorf Wienerwald, Mutter-Kind-Haus „Luise“ der Caritas. Musikerin, Unterrichtstätigkeit im Diplomstudium Jazzgesang. Zusatzqualifikationen: EBQ, Interdisziplinärer Lehrgang für Kinder- und Jugendgesundheit, MusikSpielTherapie, Bindungsbasierte Beratung und Therapie (Brisch, München).
Ev-Marie Grünenwald Musiktherapeutin im Zentrum für Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie der VKKJ in Wien, Bereich ambulante Kinder- und Jugendmusiktherapie, musiktherapeutische Supervision. Lehre an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Proseminar und Praktikum Geriatrie). Frühere Tätigkeit im HdZ Waidhofen/Thaya und Zentrum für Entwicklungsförderung Wien. Zusatzqualifikationen: Bindungsbasierte Beratung und Therapie (Brisch, München), SAFE-Mentorin, in Ausbildung zur Traumatherapeutin (ZAP Wien), Marte Meo Therapeutin, Marte Meo Supervisorin.
Zielgruppe: Eigen- und mitverantwortliche Musiktherapeut:innen
Umfang und Dauer: insgesamt 90 Einheiten à 45 Minuten
Uhrzeiten (jeweils):
Freitag von 17:00 bis 21:00 Uhr
Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Sonntag von 09:00 bis 13:15 Uhr
Ort: Praxisgemeinschaft Fröbelgasse 15; 1160 Wien
Kosten: 583€ pro Modul, gesamt 2.915 € | ÖBM-Mitglieder 496€ pro Modul, gesamt 2.480 € | Ordentliche Mitglieder der DMtG/des SMFT sowie Senior:innen 554€ pro Modul, gesamt 2.770 €
Zahlungsmodalitäten
Die Fortbildungsgebühr kann entweder auf einmal oder in Raten beglichen werden. Bitte geben Sie bei der Anmeldung ihre präferierte Option an.
Bitte beachten Sie, dass alle Module der Fortbildung für den Abschluss besucht werden müssen. Aufgrund der Modulstruktur der Fortbildung kann im Falle einer Verhinderung kein Ersatz entsendet werden!
Anmeldeschluss: 25. September 2026

ÖBM - Österreichischer Berufsverband für Musiktherapie
Vierthalergasse 10/4, 1120 Wien
T: +43 (0) 699 10 654 741 (Do und Fr 9:00 - 11:00)
E: info@oebm.org
UID Nr.: ATU70980003